Digitale AufgabenblĂ€tter kopieren 😊

23. April 2020 - Lesezeit: 6 Minuten

Viele Lehrer*innen teilen Ihren SchĂŒler*innen virtuelle AufgabenblĂ€tter aus. Diese sind oft unmittelbar (schon immer) zum Ausdrucken gedacht (gewesen). Und da nicht jeder Lernende einen eigenen Laptop oder Rechner hat kann sich dann das Kind entscheiden, ob es ewig auf dem Smartphone-Screen rumwischt oder die Eltern ĂŒberzeugt noch eine neue Patrone zu kaufen. Das Ergebnis der Bearbeitung wird dann mit dem Smartphone fotografiert und der Lehrer*in per Mail geschickt, um dann (ausgedruckt) korrigiert zu werden.

Als Informatiklehrer muss ich immer sehr an mich halten und kann schwer nachvollziehen, warum man kein Lernmanagementsystem (LMS) verwenden kann. Selbst wer vor der Schulschließung keins hatte kann sich fĂŒr wenig Monate im Monat ein moodle auf einem Shared-Hosting installieren.

Nach langen nachdenken und beobachten habe ich folgende SchlĂŒsse ziehen können:

  • Digital Natives bzw. unsere SchĂŒler*innen fehlen entgegen der verbreiteten Annahme grundlegende Bedienkompetenzen von digitaler Technik. Das geht beim Umgang mit Dateien an und macht sich besonders bei SchĂŒler*innen bis zur 8. Klasse mit großen Schwierigkeiten beim bedienen komplexer Anwendungen bemerkbar. Und genau dazu zĂ€hlen klassische LMS.
  • Lehrer*innen haben sehr viel Beziehungsarbeit, persönliche Herausforderungen und inhaltliche Gestaltungsarbeit in digitalen Unterricht zu investieren. Daher können und möchten diese sich nicht in 21 neue fancy Tools einarbeiten.

NatĂŒrlich möchte ich nicht in Abrede stellen, dass es sehr viele sehr engagierte Menschen gibt, die auch teils beeindruckende Leistungen mit vielen spannenden Werkzeugen erbringen, nur verzerrt sich der Blick leicht, wenn man sich ĂŒber soziale Netzwerke wie Twitter einen Eindruck verschafft.

Aus meiner Sicht benötigt es folgende Gelingensbedingungen fĂŒr digitalen Fernunterricht:

  • Wenige, einheitliche Kommunikationswege verwenden.
  • Schulungen oder Videoanleitungen zu eingesetzten Werkzeugen.
  • Junge SchĂŒler*innen nicht mit zu viel Technik ĂŒberfordern.
  • Aufgaben multimedial unterlegen, möglichst nicht als PDF/Word, damit man sie auch auf dem Smartphone betrachten kann.
  • verbindliche RĂŒckmeldung einfĂŒhren, gern ĂŒber Webkonferenzen

Mit diesen fĂŒnf Regeln habe ich folgende funktionierende Lösungen gefunden:

Einheitliche Kommunikationswege

Kann man Mails an die Eltern senden, dann ist ein Wochenarbeitsplan eine sehr gute Sache. So haben alle an einer Stelle einen zentralen Überblick, was grundsĂ€tzlich anliegt. Die einzelnen Aufgaben werden in eine zentrale Ordnerstruktur gespeichert. In Sachsen lĂ€sst sich dazu gut LernSax einsetzen. Im Grunde reicht aber auch ein einfacher Dateiablagedienst wie MEGA, Dropbox, OneDrive etc., wo man Dateien ĂŒber einen geheimen Link teilen kann.

Videoanleitungen

Videoanleitungen lassen sich sehr schnell aufzeichnen und werden auch fĂŒr scheinbar einfache ArbeitsablĂ€ufe gerne als Hilfestellung genommen. Ein Video ist immer prĂ€ziser als eine noch so gut gemachte textuelle Beschreibung und einfacher erstellt als eine Klickanleitung.

Ich persönlich sammle meine Screencasts bei YouTube in Playlists. Es eigenen sich aber auch andere Clouddienste wie Vimeo, oder wer schĂŒchtern ist auch die eigene Dateiablage (siehe oben)

Ich kann nur empfehlen solche Videos zu veröffentlichen. So wurden eigentlich nur fĂŒr meine Schule erstellte Anleitungsvideos fĂŒr LernSax schon ĂŒber 10.000 angesehen. Man kann doch ungeahnt mehr Menschen helfen.

ansprechende AufgabenblÀtter

Nachdem ich feststellte, wie verschiedene LMS einfach zu mĂ€chtig sind, habe ich lange gesucht und als Lösung einen einfachen Wordpress-Blog gefunden. Diesen noch mit dem h5p-Plugin ergĂ€nzt, kann jede Lehrer*in mit rudimentĂ€ren Office-Kenntnissen ihr eigenes ansprechendes Aufgabenblatt erstellen. Interaktive Übungen, Photos und Videos sind mit wenigen Klicks eingebunden und lassen sich auch problemlos auf Smartphones betrachten.

Hier erklĂ€rt Nele Hirsch, wie man sich fĂŒr wenige Euro im Monat ein eigenes Wordpress installiert. Da sich Wordpress auch fĂŒr die ganze Schul-Homepage eignet, biete ich mit meiner Firma schulverwalter.online das Produkt homepage.schule an, um Schulen bei der Einrichtung und Betrieb ihrer Wordpress-Homepage zu unterstĂŒtzen.

Verbindliche RĂŒckmeldungen

So schön wie das eigenstÀndige Arbeiten ist, so schwierig ist es sich jeden Tag doch dazu zu bringen zu arbeiten. Konkrete, auch mal kleinschrittige Ziele helfen ungemein.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die SchĂŒler*innen auch zum Fachlehrer den Kontakt suchen. Eine Webkonferenz ist zum einen ein strukturierendes Element im Tagesablauf und ermöglicht es zum anderen wenigstens ein wenig sozialen Kontakt innerhalb der Lerngruppe aufrechtzuerhalten.

Gut eignen sich Webkonfernzen wie GoToMeeting und Webex, wo sich Teilnehmer*innen per Telefon mit einwĂ€hlen können. Man glaubt garnicht wie viele Mikrophone spontan kaputt sind. 😉

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Material und Anregungen fĂŒr den Informatikunterricht.